viewfinder #HARZ #04 Alt | Stadt | Haus

Mitten in Goslar drängen sich die Häuser zusammen wie die Schafe im Wintersturm. Fachwerk lehnt sich an Fachwerk im Schatten der Frankenberger Kirche. Die Oberstadt war das Viertel der Bergleute. Das Nachtjackenviertel wurde dieses Quartier genannt, weil die Frauen ihren Männern vor Morgengrauen in den Nachtjacken hinterherschauten, wenn diese zur Schicht im Rammelsberg gingen.

Häuser mit Geschichte

 Martina Hesse hat vor einigen Jahren eines dieser Häuser gekauft. Eine Baustelle, Raum für ihre Kreativität. Im Laufe der Zeit hat sie sich und ihrem Sohn ein individuelles Nest geschaffen. Einschränkungen durch den Denkmalschutz gibt es im Welterbe natürlich reichlich, dennoch: das einzigartige Gebäude bietet viel Raum zur freien Entfaltung. Hier zwischen Frankenbergstrasse und Clausthorwall drängen sich die Häuser besonders eng, schirmen ihre kleinen Gärten ab und geben ihren Bewohnern ein kuscheliges Zuhause.

 Ketten in der Nacht

 Die Kettenstrasse liegt ganz im Süden der Goslarer Altstadt. Wahrscheinlich wurde früher die Strasse nachts mit Ketten abgesperrt, um für Ruhe und Sicherheit zu sorgen. Es gab etliche Kettenstrassen in Goslar, doch nur diese eine trägt den Namen heute noch. Bis 1538 zog sich hier jedes Jahr auch der „Lange Tanz“ hindurch. Zur Fastnacht bewegten sich die Menschen in einem Schreittanz hindurch bis das wilde Treiben wegen Pöbeleien gegen die Obrigkeit verboten wurde.

 Ewige Baustelle

 Ein altes Haus ist eine ewige Baustelle, überall muss etwas ausgebessert werden, Balken setzen sich. Lehm bricht aus den Gefachen, das hohe Dach verlangt nach Pflege. Fachwerkhäuser haben ein Eigenleben. Sie belohnen ihre Bewohner aber auch mit einem besonderen Wohnklima. Sie atmen, regulieren die Temperatur, sind dankbar für die Zuwendung und halten kleine Schätze in den Wänden bereit für die, die offen dafür sind.

 

Video/Panorama/ Text: Stefan Sobotta | Fotos: Tom Tautz